Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V.
Redaktion: Detail

Digitalisierung geht voran

Reihe Digitalisierung Teil 9

Jugenbotschafter Leon und Eric bei der Drohnenschulung mit airteam

Jugenbotschafter Leon und Eric bei der Drohnenschulung mit airteam

Lediglich 18 Prozent der Unternehmen im Bauwesen haben bislang eine ausgereifte Digitalstrategie entworfen, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) von Juni 2019. Aus Sicht der Befragten ist das digitale Bauen vor allem aus technischer Sicht anspruchsvoll. Das bestätigen fast zwei Drittel der Experten. Gut die Hälfte hält BIM für aufwändig in der Umsetzung. Die größten Hürden für das digitale Bauen sind nach Einschätzung der Unternehmen fehlende Fachkräfte (52 %) und hohe Investitionen (48 %). Außerdem können mehr als drei Viertel die Kosten der technischen Implementierung von BIM (Building Information Modeling) nicht einschätzen. BIM ist eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Software. Hier die Ergebnisse der PwC-Studie im Überblick: https://bit.ly/PWC-Studie-Bau

Trends bei digitalen Tools im Dachdeckerhandwerk

Im Dachdeckerhandwerk lässt sich anhand ZVDH-interner Umfragen erkennen, dass die Digitalisierung ebenfalls weiter zunimmt. Und nicht erst seit der Coronakrise zeigt sich zum Beispiel der Vorteil eines Drohneneinsatzes, um ein erstes Aufmaß zu erstellen. Das Interesse an der fliegenden Unterstützung nimmt in Dachdeckerbetrieben zu. So zeigten die Umfrageergebnisse 2018, dass knapp 22 % Drohnen einsetzten und 14 % den Einsatz planten. Im Jahr 2019 gaben über 60 % an, sie könnten sich den Einsatz von Drohnen oder Drohnenservices vorstellen und 13 % haben bereits eine eigene Drohne. Die wichtigsten Apps, die Dachdeckerbetriebe verwenden, sind Wetter-Apps (82 %), gefolgt von Apps zur Fotodokumentation von Baustellen (74 %). Um mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren, setzen über zwei Drittel der Betriebe bereits Messengerdienste ein und ebenfalls zwei Drittel nutzen Software-Lösungen zur Kalkulation und Abrechnung. 2018 waren es nur rund ein Viertel der befragten Betriebe.

Aber auch in anderen Bereichen haben Dachdecker die Vorteile digitaler Lösungen erkannt: Zur Gefährdungsanalyse (38 %) und Arbeitszeiterfassung (35 %), bei der Kundenkommunikation (49 %), bei der Materialverwaltung (26 %) oder auch im Qualitätsmanagement (17 %). Auch die Vorbereitung der Mitarbeiter im Umgang mit der digitalen Herausforderung hat sich gewandelt: 2018 gaben 70 % der Inhaber an, ihre Mitarbeiter nicht zu schulen, und 25 % schulten konkret an Dingen, die im Einsatz waren. 2019 sind es nur noch 39 %, die ihre Mitarbeiter gar nicht zu schulen, dafür führen rund 60 % mittlerweile regelmäßige Unterweisungen durch (Tabelle 1). Dies übrigens auf ganz unterschiedliche Wiese: An der Spitze liegen externe Fortbildungen, aber auch Inhouse-Schulungen und Webinare kommen zum Einsatz (Tabelle 2). Fazit: Digitalisierung ist im Dachdeckerbetrieb angekommen und wird in vielen Bereichen sinnvoll eingesetzt. BIM ist allerdings im Dachdeckerhandwerk kaum ein Thema.

Effizienz ist das Gebot der Stunde

Aber: Digitalisierung muss nicht um der Digitalisierung willen eingesetzt werden. Ziele sollten vielmehr sein: Betriebsabläufe vereinfachen, Zeit und Kosten sparen sowie Mitarbeiter entlasten. Fakt ist auch, dass gerade kleinen Handwerks-Firmen schlicht die Zeit fehlt, sich eingehend mit der Digitalisierung ihrer Prozesse zu beschäftigen. Auch ist oft die Verunsicherung groß bei der Vielzahl der angebotenen digitalen Lösungen und Software. Weiterhin stellt sich für viele die Frage, ob möglicher Weise eingespielte Prozesse und Abläufe nach der Digitalisierung nicht mehr wie gewohnt funktionieren und das Unternehmen Zeit und Geld verliert. Zudem gibt es Mitarbeiter, die sich neuen Methoden verweigern; hier müssen Betriebsinhaber Misstrauen und Ängste abbauen. Auch machen sich Betriebe Sorgen, durch digitale Prozesse in Zeiten zunehmender Cyberkriminalität angreifbarer zu werden. Hier bedarf es weiterer IT-Sicherheits-Maßnahmen, die wiederum Zeit und Geld kosten. 49 % haben hier laut Umfrage ganz konkret Unterstützungsbedarf.

Schritt für Schritt

Sinnvoll ist es – nachdem die Abläufe im Betrieb analysiert wurden – in kleinen Schritten Abläufe effizienter zu gestalten, indem zum Beispiel Bauakten komplett digital angelegt werden. Die Vorteile: erleichterte Abstimmungsprozesse, nachvollziehbare Abläufe, belegbare Handwerksleistungen Baufortschritte – Stichwort Fotodokumentation. Die Absprachen mit dem Bauherren und Herstellern sind passend zum Projekt abrufbar, jederzeit und von allen Mitarbeitern. Auch erleichtert eine umfassende Baustellendokumentation sich gegebenenfalls besser gegen unberechtigte Regressansprüche abzusichern oder auch, um erbrachte Leistungen im vollen Umfang abzurechnen. Beim Einrichten digitaler Tools wünschen sich 44 % Anleitungen zum richtigen Vorgehen, 2018 waren es mit 49 % noch etwas mehr.




Seitenanfang