Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V.
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Dachdecker 4.0 – was kommt auf uns zu?

Dachdecker 4.0 – was kommt auf uns zu?

Aber wie man damit umgeht, macht den Unterschied: Wichtig ist es, Neuerungen aktiv mitzugestalten, um nicht nur passiver Anwender zu sein. Der jährliche ausgelobte Preis „Auf IT gebaut“ zeigt, dass es oft kleine Dinge sind, die die Arbeit für Handwerker verbessern. So hat Jonas Rosenow, Zimmermeister und Gebäudeenergieberater, 2017 den ersten Platz mit einer App Kommunikation am Bau 4.0 gemacht. Die Idee dahinter ist simpel: statt alle Unterlagen, wie Leistungsverzeichnis, Bestellungen, Zeitvorgaben, Ausführungspläne, Architektenpläne, Kontakte der am Bau Beteiligten, Wegbeschreibung zur Baustelle, baustellenbezogene Unterlagen usw. auszudrucken, wird alles auf eine digitale Projektplattform für kleine Bauvorhaben eingestellt. Dem Handwerker dient diese dann als digitale Projektakte, zu der er dem Bauherrn und Architekten gezielt Zugangsrechte erteilen kann. Die Nutzung erfolgt über eine App oder den PC im Büro. Eine Bezahlfunktion kann ergänzt werden, das Bautagebuch und eine Messenger-Funktion sind bereits integriert. So wird die Kommunikation vor allem bei kleinen Bauvorhaben, auf denen Bauherr oder Architekt nicht jeden Tag vor Ort sind, erleichtert. Hier hat ein Handwerker also aus seiner Erfahrung an Baustellen heraus etwas entwickelt, das die Arbeit vereinfacht, Abläufe optimiert und somit Zeit und Kosten spart. Von diesen Beispielen gibt es bereits viele. Digitalisierung heißt also nicht zwangsläufig Verdrängung der Handwerkskunst, sondern Verbesserung der Abläufe um das handwerkliche Arbeiten herum. Im besten Fall kann sich der Dachdecker so wieder mehr auf sein eigentliches Geschäft konzentrieren, da z.B. mehrmaliges Erfassen und Ablegen von Dokumenten entfällt, Informationen schneller auffindbar sind und die Kommunikation mit den am Bau Beteiligten einfacher wird.

„Ist das noch Handwerk?“

Passend dazu lautet das Motto der nächsten Internationalen Handwerksmesse (IHM, 13.-17. März 2019 in München) „Ist das noch Handwerk?“ und greift damit genau die Sorgen der Branche auf. „Das Handwerk hat sich stark verändert und muss sich mit zahlreichen Neuerungen auseinandersetzen. Das inspiriert den einen, aber lähmt den anderen. Wir als ZVDH wollen für alle Betriebe Lösungen aufzeigen und Ängste vor der Digitalisierung nehmen“, erklärt Michael Zimmermann, ZVDH-Vizepräsident und beim Verband zuständig für den Bereich Digitalisierung. „Unsere Idee ist es, dem Dachdecker einen Werkzeugkasten an die Hand zu geben, die ihm sinnvolle digitale Lösungen an die Hand geben. Zum Beispiel Apps zur Baustellendokumentation, CAD-Software, Messengerdienste, Cloudlösungen und und und. Wir wissen, dass viele Dachdecker den Neuerungen offen gegenüberstehen, aber ihnen zum Teil eine Entscheidungshilfe fehlt, was wirklich sinnvoll ist. Befürchtet werden auch hohe Kosten oder viel Zeitaufwand, um digitale Tools einzusetzen. Daher werden wir hier im DDH nun regelmäßig über Anbieter und Tools berichten, mit denen wir als ZVDH uns näher beschäftigt haben und die uns als sinnvolle Ergänzung für unsere Dachdeckerbetriebe erscheinen. Parallel dazu werden Praxisberichte veröffentlicht, wo konkret Dachdecker über ihre Erfahrungen sprechen.“

Lenkungskreis Digitalisierung

Wichtig ist es uns auch an der Stelle, gemeinsam mit den Partnern aus Industrie, Handel und Handwerk in der Bedachungsbranche an den Herausforderungen durch die Digitalisierung zu arbeiten. Dabei war uns eindeutiges Bekenntnis zum dreistufigen Vertriebsweg wichtig, aber auch die Unterstützung beim Umsetzen digitaler Instrumente speziell auf die Bedürfnisse der Dachdeckerbetriebe Einbezogen sind auch Vertreter aus Politik und Forschung, um über Innovationen, aber auch Fördermöglichkeiten für Betriebe rechtzeitig informieren zu können. In der DDH-Ausgabe 10.2018 haben wir die „Gemeinsame Erklärung der Partner aus Industrie, Handel und Handwerk in der Bedachungsbranche zur Digitalisierung“ veröffentlicht. Das hat weitere Unternehmen angeregt, mitzumachen. In der Zwischenzeit hat der ZVDH unter Federführung des Vizepräsidenten Zimmermann zahlreiche Gespräche mit Dienstleistern geführt. Die Ideen und digitalen Produktlösungen werden wir hier in loser Folge vorstellen und ebenso von den Ergebnissen des Lenkungskreises berichten. Ein wichtiger Aspekt, den wir auch beleuchten wollen, ist die Digitalisierung in der Ausbildung, auch in der schulischen. Die Fragen, die sich hier stellen, sind zum Beispiel: Wie werden die Schülerinnen und Schüler in der Berufsschule auf die Digitalisierung vorbereitet? Inwieweit sind die Lehrerinnen und Lehrer mit digitalen Instrumenten vertraut? Ist bereits eine E-Didaktik im Einsatz und sind die Schulen technisch überhaupt schon gerüstet? Stichwort: Breitbandausbau!

Informationen richtig nutzen

Ein Smartphone zu besitzen und Selfies zu posten, heißt noch nicht, mit digitalen Informationen umgehen zu können. Es beginnt damit, Informationen im Internet zu recherchieren und geht über die Handhabung betriebswirtschaftlicher Software bis hin zur Auswertung von Daten, die mittlerweile über Drohnen geliefert werden. Auch der Einsatz von Apps zur Prüfungsvorbereitung kann ein nützliches digitales Instrument in der Ausbildung sein. Denn schon Bill Gates hat erkannt, dass die Kunst sein wird, aus der Fülle der Informationen die relevanten herauszufiltern. Auch diese Methodik muss erlernt werden und hilft auch, Vorbehalte gegenüber zunehmender Digitalisierung abzubauen. Denn wer gelernt hat, mit diesen Dingen umzugehen, sie für sich zu nutzen und sinnvoll einzusetzen, der gestaltet Digitalisierung mit. Er muss nicht befürchten, ein Werkzeug der Digitalisierung zu werden.

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