Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V.
- Neuer ZDH-Präsident -

 Dachdeckermeister Jörg Dittrich

- Statt Weihnachtskarten-

 ZVDH spendet für die Tafel 

- ZVDH und ZVEH beschließen Kooperation bei Installation von PV-Anlagen-

 Gemeinsam die Energiewende voranbringen

Redaktion: Detail

23. Dach-Konvent in Berlin: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst

23. Dach-Konvent in Berlin: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst

 

Rund 70 hochrangige Vertreter der Dachbaubranche kamen am Mittwoch zum jährlichen Dach-Konvent zusammen, dieses Mal in Berlin. ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk begrüßte die Teilnehmenden und betonte, wie wichtig in diesen schwierigen Zeiten ein gemeinsames Handeln sei. Zu Beginn lieferte ZVDH-Ökonom Felix Fink ein umfassendes Zahlenwerk zur konjunkturellen Situation im Dachdeckerhandwerk. Er startete mit einem Zitat des österreichischen Psychologen Paul Watzlawik: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Auf das Bauhauptgewerbe bezogen erläuterte Fink, dass es nach wie vor eine intensive Bautätigkeit mit hoher Personalauslastung gebe, es gleichzeitig aber vermehrt zu Stornierungen oder Verschiebungen von Aufträgen komme. Flankiert werde diese Entwicklung durch anhaltend hohe Material-Einkaufspreise, die wiederum zu hohen Baupreisen und damit zum Nachfragerückgang führten. Für 2022 prognostizierte er eine Umsatzentwicklung von real -2 % bis 0 %. Für 2023 machte er schwache Frühindikatoren aus. So sei die Zahl der Baugenehmigungen für EFH im Juli 2022 gegenüber dem Vorjahr um 16,1 % gesunken, bei MFH gebe es allerdings einen Zuwachs von 7,1 %. Eines hob Fink noch positiv hervor: Den deutlichen Zuwachs bei den Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk. Hoffnung mache vor allem die umzusetzende Energiewende durch verstärkten Einbau von PV-Anlagen.

Herausforderung Klimawende

Weiter ging es im rasanten Tempo mit harten Fakten zur Klimawende. Alexander Schuh, Leiter Verbandsmanagement bei Vaillant, zeigte, vor welchen großen Herausforderungen die Branche stünde, um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen. 36 % des aktuellen Gebäudebestands seien unsaniert, 52 % teil- und nur 13 % seien bereits vollsaniert. Das bedeute für 2020 nur in Deutschland 120 Millionen Tonnen CO2 durch den Gebäudebestand. Dass die hinlänglich bekannte Sanierungsrate von derzeit 1 % nicht ausreiche, werde hier nochmals sehr deutlich. „Wir müssen 21 Millionen Häuser sanieren, um bis 2045 CO2-neutral zu sein“, erklärte Schuh. Weiter zeigte er auf, in welch kurzen Zeiträumen zum Teil weitreichende Gesetzesänderung und -vorlagen eingebracht wurden. Im Juli wurden innerhalb von fünf Tagen mit dem Entwurf zum Energiesicherungsgesetz und den Änderungen bei der BEG zwei essenzielle Pakete auf den Weg gebracht. Den Fokus bei der Förderung auf die Sanierung zu legen, sei durchaus sinnvoll, so der Verbandsmanager, bei Worst Performing Building sei allerdings eher angeraten, diese abzureißen, statt aufwändig und teuer zu sanieren.

Zertifizierte Nachhaltigkeit

ZVDH-Referent Philip Witte präsentierte ein geplantes ZVDH-Zertifikat, das Kriterien zur Auswahl nachhaltiger Produkte liefern könne. Es sei zum einen ein wichtiger Schritt, um die Branche beim Thema Nachhaltigkeit voranzubringen. Zum anderen gingen gewerbliche und öffentliche Auftraggeber jetzt schon dazu über, Herkunftsnachweise für die verbauten Materialien zu verlangen und wollen zusätzlich Nachweise zur Nachhaltigkeit sehen. Die Klimadebatte wirke hier als zusätzlicher „Booster“, machte Witte deutlich.

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Zum Schluss gab es noch eine Diskussionsrunde mit Vertretern aus Industrie und Handel über die Konsequenzen, die sich aus dem Lieferkettengesetz – also dem Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten – für die Dachbaubranche ergeben. Ein ausführlicher Bericht folgt in unserer Verbandszeitschrift DD/H Das Dachdecker-Handwerk (Ausgabe 14.2022).

Seitenanfang