Dachdeckerhandwerk: trotz Umsatzrückgang positive Stimmung

„In absoluten Zahlen gesehen, fallen wir bei der Betriebsleistung in unserem Wirtschaftszweig damit wieder unter das Niveau des Jahres 2011 zurück. Angesichts der seit Jahren positiven Baukonjunktur ist dies ein eher enttäuschender Verlauf, obwohl die durchschnittliche Mitarbeiterzahl 2015 nur um 0,2 Prozent niedriger als im Vorjahr lag und damit nahezu stabil geblieben ist“, erläutert Karl-Heinz Schneider, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Dabei spielten sicherlich die diskutierte, aber nicht umgesetzte steuerliche Begünstigung von Wärmedämm-Maßnahmen eine Rolle.

Bei einer hohen Wettbewerbsintensität sowie gestiegenen Bau- und Personalkosten dürfte die Ertragslage 2015 nur knapp befriedigend ausgefallen sein. Dennoch bleibt die Stimmung unter den Betriebsinhabern auf vergleichsweise hohem Niveau und die Geschäftslage 2015 wird laut der ZVDH-Jahresumfrage durchschnittlich mit der Schulnote 2,6 bewertet. Die Geschäftsaussichten für das Jahr 2016 benoten die befragten Dachdeckerbetriebe mit 2,5, wobei auffällt, dass die kleineren Betriebe eher pessimistisch, die Inhaber von Betrieben mit über fünf Mitarbeitern überwiegend optimistisch in die Zukunft blicken. Dies dürfte vor allem an der guten Auftragslage in vielen Regionen Deutschlands liegen. Zudem kann sich der eher milde Winter 2015/16 günstig auf das Dachdeckerhandwerk auswirken.

Positiver Blick in die Zukunft
„Für das Dachdeckerjahr 2016 sind wir zum jetzigen Zeitpunkt eher zuversichtlich. Die florierende Wohnungsneubautätigkeit wird auch dem Dachdeckerhandwerk nutzen, wenngleich unsere Betriebe von der dynamischen Nachfrage weiterhin nur unzureichend profitieren“, führt Schneider weiter aus. Positive Treiber für das Dachdeckerhandwerk seien die Verschärfung der energetischen Anforderungen durch das Inkrafttreten der neuen Energieeinspar-Verordnung – kurz EnEV. Eine Sonder-AfA, also die Abschreibung für Abnutzung, als Steueranreiz für den privaten Wohnungsneubau könnte für weitere Impulse sorgen, so der ZVDH-Präsident. Die Umfragen bestätigen den Trend: Die Auftragsbestände bei den Dachdeckern haben sich im Vergleich zum Vorjahr vor allem im Bereich Neubau und Sanierung positiv entwickelt. Als Problemfelder werden von den Unternehmern Fachkräftemangel, Bürokratiehindernisse und Preisverfall genannt. Immer wieder beklagten Betriebe, dass gute Marktpreise kaum noch zu erzielen seien und Hausmeister-Services sowie Soloselbstständige ohne ausreichenden Versicherungsschutz ihnen das Leben schwermachten. „Ein Wermutstropfen ist allerdings die geringe Investitionsbereitschaft: 84,2 Prozent der Dachdeckerunternehmen gaben an, nur bis zu fünf Prozent ihres Jahresumsatzes von 2015 für Neuanschaffungen im Jahr 2016 aufzuwenden. Das ist zu wenig“, beklagt Schneider.

Dachdecker arbeiten lokal
Positiv sei, dass die Dachdecker weniger weit fahren müssten. Das spiegele auch die Verbesserung der regionalen Auftragslage gegenüber dem Vorjahr wider, wie die Umfrage-Ergebnisse der Frage nach dem Einzugsgebiet nahelegen, in dem die Betriebe hauptsächlich arbeiten. Der Hauptteil der Dachdecker fährt im Schnitt 50 Kilometer weit, um seine Kunden zu erreichen. Die Fahrten bis 100 und bis 200 Kilometer Entfernung vom Firmensitz haben leicht abgenommen. Waren es im Vorjahr noch 21,0 Prozent (Radius 100 km) und 4,7 Prozent (Radius 200 km), sind es aktuell nur noch 18,1 Prozent bzw. 3,3 Prozent. Auch der Auslandseinsatz gebe interessante Einblicke. So seien zwar im Bundesdurchschnitt nur 7,5 Prozent der Dachdecker international unterwegs, aber 23,3 Prozent der Rheinland-Pfälzer, 15,5 Prozent der Schleswig-Holsteiner und immerhin 14,3 Prozent der saarländischen Betriebe melden Auslandsaufträge.
Weitere Zahlen rund um das Dachdeckerhandwerk: Steckbrief März 2016

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Dirk Bollwerk ist neuer ZVDH-Präsident // Michael Zimmermann ist neuer ZVDH-Vizepräsident 


Neues vom ZVDH: Der DachCheck ist online! Eine Unterstützung für Dachdeckerbetriebe, um Kunden zu binden und neue zu finden.

 

Anfang März 2016 ist die Novellierung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) in Kraft getreten, die vor allem Polystyrol-Dämmstoffe betrifft, die das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) enthalten. Nach der sogenannten POP-Verordnung müssen Abfälle, die persistente organische Schadstoffe (POPs) enthalten, so verwertet werden, „dass die darin enthaltenen persistenten organischen Schadstoffe zerstört oder unumkehrbar umgewandelt werden“. Dies betrifft ab 30. September 2016 solche Kunststoffe, deren HBCD-Gehalt größer oder gleich dem HBCD-Grenzwert von 1.000 mg/kg ist. HBCD verzögert die Entzündung von Kunststoffen und verlangsamt die Ausbreitung der Flammen.

 


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