05.01.2012

Gründächer voll im Trend

Die Zeiten, in denen Dachbegrünung als elitäre Spinnerei galt, sind längst vorbei. Nicht nur Fachleute, sondern auch private Bauherren haben die Dachbegrünung als ökologisch und ökonomisch interessante Bauweise erkannt. In vielen Städten gilt die Dachbegrünung als Verbesserungsmaßnahme für das Wohnumfeld und wird deshalb häufig mit attraktiven Zuschüssen bedacht.

Gründächer sind keine Erfindung der Neuzeit. Ihre Ursprünge reichen weit in die Vergangenheit zurück. Bereits aus der Zeit um etwa 900 vor Christus gibt es Berichte von Dachterrassen im vorderen Orient. Der orientalische Einfluss machte auch vor dem alten Rom nicht Halt. Viele Dächer von Patrizierhäusern waren mit Blumen, Sträuchern oder sogar Obstbäumen bepflanzt und boten so eine zusätzliche Wohnfläche im Freien.

Der Ursprung des begrünten Daches in unseren Breitengraden liegt allerdings im Norden. So werden seit Jahrhunderten in Island und Skandinavien Häuser mit Grasdächern gebaut, die durch Torfschichten und einer Grasschicht einen sehr guten Wärmeschutz bieten.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in dicht bebauten Städten Deutschlands gegen die Brandgefahr eine Kiesellehmschicht auf eine verstärkte Dachkonstruktion mit Teerpappenlage aufgebracht. Diese Dächer wurden nicht explizit bepflanzt, das Grün stellte sich durch den Samenflug von selbst ein. Überhaupt wurde im Zeitalter der Moderne das Gründach von Architekten stark gefördert. So nehmen Dachgärten z.B. bei der Architektur von Le Corbusier einen hohen Stellenwert ein. Auch die Bauhausbewegung, die rund um den Architekten Gropius entstand, belebte die Gartendachidee. Mit der Ökologiebewegung in den achtziger Jahren kam die Dachbegrünung wieder verstärkt in die Diskussion. Die Dachbegrünung wurde als energiesparend und umweltverträglich neu entdeckt. Herausragendstes Beispiel für den neuen Stellenwert der Dachbegrünung ist das 1983 fertiggestellte Hundertwasser-Wohnhaus in Wien mit seiner traumhaften Begrünung.

Grüne Oase auf dem Dach
Ökologisch betrachtet sprechen viele Punkte für eine Dachbegrünung. Durch die Reduzierung von versiegelten Grundstücksflächen und die Schaffung zusätzlicher Grünflächen entstehen für Tiere und Pflanzen neue Lebensräume. Zudem wird durch die Gründächer die Luft verbessert, Staub und Schadstoffe werden gebunden, das Gebäude wird stärker gegen Elektrosmog abgeschirmt und gegen von der Außenwelt kommenden Luftschall geschützt. Durch die Vegetation und das Substrat wird der Abfluss von Regenwasser verzögert und Niederschlagswasser zurückgehalten, das durch Verdunstung wieder in den natürlichen Wasserkreislauf eingebracht wird. Gründächer sorgen für einen klimatischen Ausgleich: Im Sommer schützen sie vor Hitze, im Winter vor Kälte.

Extensive oder intensive Dachbegrünung
Dachbegrünungen unterscheiden sich in einer extensiven und intensiven Form des Dachgrüns. Die Entscheidung für eine der beiden Formen muss sorgfältig durchdacht sein und die baulichen Gegebenheiten, die spätere Nutzung und die erforderliche Pflege berücksichtigt werden.
Extensiv-Begrünungen bestehen aus einfachen, niedrigen Bepflanzungen ohne großen Pflegeaufwand. Sie sind naturnah angelegt und erhalten sich weitgehend selbst. Es werden Pflanzen mit besonderer Anpassung an die extremen Standortbedingungen und hoher Regenerationsfähigkeit verwendet. Die Höhe des Pflanzsubstrats beträgt etwa 5 bis 10 cm. Extensiv-Begrünungen sind auf flachen und geneigten Dächern möglich. Die Wartung beschränkt sich auf ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr, die eventuelle Pflegegänge nach sich ziehen können.
Die intensive Form dagegen ermöglicht vielseitige Bepflanzungsmöglichkeiten, bis hin zu Sträuchern, Nadel- und Laubbäumen oder Gemüsegärten. Die Höhe des Aufbaus beträgt je nach gewünschter Bepflanzung zwischen 15 - 100 cm. Intensive Dachbegrünungen können ebenerdige Freiräume, wie Gärten oder gemeinschaftliche Grünanlagen ersetzen. Intensive Begrünungen sind nur auf Flachdächern sinnvoll. Die verwendeten Pflanzen stellen hohe Ansprüche an den Schichtaufbau und an die regelmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung. Eine intensive Dachbegrünung erfordert somit einen sehr viel höheren Pflegeaufwand als eine extensive Dachbegrünung.

Kosten und Nutzen
Ein Gründach, egal ob als extensive oder intensive Form, ist in der Herstellung zunächst einmal teurer als beispielsweise ein Kiesdach. Das ergibt sich aus den Mehrkosten für die Statik und den aufwendigeren Schichtenaufbau. Darüber hinaus benötigt ein Gründach auch einen höheren Pflegeaufwand. Doch diese Kosten amortisieren sich mit der Zeit und dem Nutzen. So kann man bei einer fachgerechten Ausführung einer Dachbegrünung schon von einer doppelt so langen Lebensdauer ausgehen, wie bei einem einfachen Flachdach, dessen Lebensdauer bei ca. 25 Jahren liegt. Dies liegt vor allem an der Schutzfunktion des Dachgrüns. Die Alterung der Dachabdichtungen durch UV-Strahlen wird zum großen Teil verhindert und die Dachabdichtung ist von mechanischen Beschädigungen und chemischen Einflüssen geschützt. In manchen Kommunen werden Gründächer bei der Festlegung der Abwassergebühren für Oberflächenwasser positiv berücksichtigt. Darüber hinaus führt die bessere Wärmedämmung eines Gründachs zu einer Energieeinsparung. Bei einer intensiven Dachnutzung spart man zusätzlich den Kauf von Grundflächen als nutzbaren Freiraum und kann gegebenenfalls einen höheren Mietertrag geltend machen.

Dachbegrünungen sind durch die erhöhte Lebensdauer sowie durch erhebliche Kosteneinsparungen bei den Abwassergebühren langfristig deutlich preiswerter als konventionelle Flachdächer. Ausgeschriebene Förderprogramme, die eine zusätzliche Kosteneinsparung mit sich bringen, sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Worauf muss der Bauherr achten?
Ein Gründach muss genauestens geplant werden. Der Dachdecker-Innungsbetrieb ist hier der kompetente Ansprechpartner. Er berät den Bauherren über die Form des Gründachs, die späteren Nutzungsmöglichkeiten und die Art der Bepflanzung, denn all diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle in der statischen Konstruktion und im Schichtaufbau eines Daches. Nur wenn die Angaben des Bauherren präzise sind, kann eine sachgemäße Planung erfolgen, so dass spätere Schäden durch unsachgemäße Anwendung ausgeschlossen werden können. Der Bauherr tut auch gut daran, sich über die erforderlichen Pflegemaßnahmen eines Gründachs genauestens zu informieren, damit er lange Freude am begrünten Dach hat.

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Dirk Bollwerk ist neuer ZVDH-Präsident // Michael Zimmermann ist neuer ZVDH-Vizepräsident 


Neues vom ZVDH: Der DachCheck ist online! Eine Unterstützung für Dachdeckerbetriebe, um Kunden zu binden und neue zu finden.

 

Anfang März 2016 ist die Novellierung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) in Kraft getreten, die vor allem Polystyrol-Dämmstoffe betrifft, die das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) enthalten. Nach der sogenannten POP-Verordnung müssen Abfälle, die persistente organische Schadstoffe (POPs) enthalten, so verwertet werden, „dass die darin enthaltenen persistenten organischen Schadstoffe zerstört oder unumkehrbar umgewandelt werden“. Dies betrifft ab 30. September 2016 solche Kunststoffe, deren HBCD-Gehalt größer oder gleich dem HBCD-Grenzwert von 1.000 mg/kg ist. HBCD verzögert die Entzündung von Kunststoffen und verlangsamt die Ausbreitung der Flammen.

 


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